Deine Meinung: Bernhard Mahler, (Pressesprecher der Stadt Neuburg)

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Wie hast du denn die Feiern miterlebt und wie sah dann der Entscheidungsprozess von Seiten der Stadt aus, sodass die Feiern verboten wurden?

BM: Man sagt ja immer, dass die Feiern schon eine unglaublich lange Tradition haben und nicht mehr wegzudenken sind. Dazu sollte man aber schon wissen, dass die Abschlussfeiern im Hofgarten erst ca. 10 bis 15 Jahre bestehen. Alle Jahrgänge davor haben sich selbständig eigene Feiern organisiert. Ich sage das deshalb, weil jetzt oftmals nach Alternativen gefragt wird.

Nachdem sich die Zusammenkünfte im Hofgarten in Sachen Lautstärke, Alkoholkonsum und Müll ziemlich zugespitzt haben, hat sich glücklicherweise das Jugendparlament miteingebracht. Es wurde deutlich besser, hat sich aber über gerade über die letzten Jahre wieder zugespitzt. Vor allem im letzten Jahr und heuer wurden aus den Feiern für die jeweiligen Absolventen allgemeine Partys für alle Jugendlichen. D.h. dass relativ viele die Gelegenheit genutzt haben, um auf alle Feiern zu gehen und quasi eine ganze Woche durchzufeiern.

Was uns dann dieses Jahr aber bewogen hat, die künftigen Feiern in dieser Form zu verbieten, hat bei den „Donauspringern“ bereits während der Woche angefangen. Wer von der Donaubrücke springt, begibt sich grundsätzlich in Lebensgefahr, weil dort nach wie vor die Trümmerreste der alten Brücke aus dem Krieg am Grund liegen. Die Polizei wertet einen Donausprung sogar als Selbstmordversuch und liefert Personen, die das probieren zur Vorsorge in die Psychatrie ein.

Und dann kam da der 30. Juni an der Brandlwiese. Die Fläche war als Ausweichplatz vereinbart um ein Aufeinandertreffen mit dem Schloßfesteinzug zu vermeiden. An diesem Tag kamen dann mehrere Sachen zusammen: Zuerst einmal sind die Jugendlichen heutzutage vernetzt. Dadurch kamen zu den Feiern auch viele junge Leute von außerhalb, die mit dem eigentlichen Schulabschluss nichts zu tun hatten. Unsere Schätzungen liegen bei 400 bis 500 Feiernden, was die Anzahl der Abschlussschüler natürlich weit übersteigt. Zwei Männer vom Kommunalen Ordnungsdienst waren vor Ort und waren und waren laut Protokoll über weite Strecken damit beschäftigt, Rangeleien und Schlägereien zu unterbinden.

Das Ergebnis dieser Feier auf der Brandlwiese war erschreckend. Müll, leere Schnapsflaschen und vor allem hunderte Glasscherben haben den Bolzplatz – eine städtische Freizeitanlage – geradezu übersäht. Der ganze Platz glich einem Trümmerfeld und das obwohl ein großer Müllcontainer bereitgestellt war. Ich habe bei einem Rundgang am Tag danach sogar noch Mädchenunterwäsche und zerrissene Prüfungsunterlagen gefunden.

Ein weiterer wichtiger Grund, warum wir die Feiern nicht weiter verantworten konnten waren Jugendliche, die an diesem Tag in der Donau schwimmen waren und offenbar stark angetrunken abgetrieben sind. Passanten sind in die Donau gesprungen und haben die Kids wieder an Land gezogen und dabei wahrscheinlich Schlimmeres verhindert. Schließlich ist festzuhalten, dass laut Krankenhausbericht an diesem Tag insgesamt sieben Jugendliche wegen einer Alkoholvergiftung eingeliefert werden mussten, zwei Mal musste sogar der Krankenwagen gerufen werden.

Fast man all das zusammen, ist festzuhalten, dass an diesem Tag Jugendliche ab einem Alter von 15 Jahren harten Alkohol konsumiert haben, sich in der Donau in Lebensgefahr gebracht und eine Freizeitanlage vollkommen vermüllt und damit unbrauchbar gemacht haben. Allein das Entfernen der spitzen Scherbenreste hat einen kompletten Bauhoftrupp einen ganzen Tag beschäftigt.

Der Oberbürgermeister konnte gar nicht anders, als diese Art von Feiern auf öffentlichem Grund für die Zukunft zu verbieten. Das mag für den ein oder anderen wie eine vorschnelle Trotzreaktion wirken, beruht aber allein auf den sicherheitsrechtlichen Aspekten. Man kann als OB nicht dulden, dass Kinder Schnaps trinken, in Lebensgefahr geraten und Sachbeschädigungen verursachen, die von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Das muss jeder verstehen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es absolut notwendig war, hier jetzt ein deutliches Zeichen zu setzen und klar zu machen, dass es so nicht funktioniert. Gleichzeitig denke ich, dass es wichtig ist, sich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen.

Dabei lege ich größten Wert darauf, dass die jungen Leute in Verantwortung genommen werden. Klar darf gefeiert werden, aber bitte so, dass nicht andere darunter leiden müssen und andere für die negativen Auswirkungen der Feier aufkommen müssen.
Meiner Überzeugung nach wäre es ein völlig falsches Zeichen für junge Menschen, sie aus jeglicher Verantwortung zu nehmen. So funktioniert auch das Berufs- oder Familienleben nicht. Alles andere wäre die völlig falsche Vorbereitung auf das Leben.

Mein Fazit:

Abschlussfeiern ja, aber nicht in der bisherigen Form auf öffentlichen Plätzen. Selbst organisieren, selbst Verantwortung übernehmen, frei und losgelöst feiern.

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